
Hochtourenkurs: Was du vor deinem ersten Gletscherkurs wissen musst
Hochtourenkurs: Voraussetzungen, Ausrüstung, Ablauf und worauf du bei der Kursauswahl achtest – dein Weg zum ersten Dreitausender.
Veröffentlicht am
31. Mai 2026
Lesezeit
3 Min.
Inhaltsverzeichnis
Hochtourenkurs: Was erwartet dich am Gletscher?
Ein Gletscher unter den Füßen, Steigeisen, die auf dem Firn knirschen, eine Seilschaft, der du vertraust – ein Hochtourenkurs öffnet dir die Welt der vergletscherten Dreitausender und Viertausender. Aber er verlangt auch, dass du gut vorbereitet bist: körperlich, mental und mit der richtigen Ausrüstung. In diesem Artikel erfährst du, was dich im Kurs erwartet, was du mitbringen musst und worauf du bei der Kursauswahl achten solltest.
Was du in einem Hochtourenkurs lernst
Ein Gletscherkurs ist kein Wanderkurs mit Schnee - er ist eine fundierte Ausbildung in alpiner Sicherheitstechnik. Die drei Kernkompetenzen, die du lernst:
Inhalte eines Hochtourenkurses
- Steigeisengehen: Diagonal-Technik, Frontalzacken, Verhalten auf steilem Firn
- Seilschaft: Anseilen, Seilabstand, gemeinsames Gehen am Gletscher
- Spaltenbergung: Was tun, wenn ein Seilschaftsmitglied einbricht? Erste-Hilfe-Maßnahmen, Flaschenrollenzug
- Pickelgebrauch: Stützen, Bremsen, Selbstarretierung bei einem Sturz
- Gletscherkunde: Spaltentypen erkennen, sichere Route wählen, Schneebrücken beurteilen
- Wetter und Kondition: Frühstart, Umkehrentscheidungen, Lawinengefahr im Frühjahr
Nach dem Kurs
Mit den Grundlagen aus einem guten Hochtourenkurs kannst du danach mit erfahrenen Partnern einfache Hochtouren bis ca. PD (peu difficile) selbstständig planen und durchführen - z. B. Wildspitze (3.774 m), Großglockner-Normalweg (3.798 m) oder Zermatter Rund.
Voraussetzungen: Was du mitbringen musst
Ein Gletscherkurs ist körperlich fordernd. Bergführer berichten, dass schlechte Vorbereitung der häufigste Grund für Kursabbrüche ist - nicht Angst oder fehlende Technik. Plane daher mindestens 4–6 Wochen Vorbereitungszeit.
Voraussetzungen für einen Hochtourenkurs
Kriterium | Mindestanforderung | Empfohlen |
|---|---|---|
| Höhenmeter am Stück | 700 hm | 1.000–1.200 hm |
| Gehzeit am Stück | 5–6 h | 7–8 h mit Gepäck |
| Trittsicherheit | Wegschilder T3 (anspruchsvoll) | T4 (alpine Route) |
| Höhenerfahrung | Wanderungen >2.000 m | >2.500 m übernachtet |
| Klettererfahrung | Nicht nötig | Hilfreich ab 4. Grad |
Ein guter Test: Kannst du mit ca. 10 kg Rucksack in einem Rutsch 1.000 Höhenmeter aufsteigen, ohne auf die letzten Reserven zu gehen? Dann bist du bereit für einen Einsteiger-Gletscherkurs.
Ausrüstung: Was du leihen kannst und was du selbst brauchst
Gute Neuigkeit: Steigeisen, Eispickel, Gurt, Helm und Seil stellen die meisten Kursanbieter als Leihausrüstung bereit - oft in der Kursgebühr inklusive. Was du zwingend selbst mitbringen solltest:
Eigene Ausrüstung - unbedingt selbst kaufen
- •Bergschuhe mit steifem Schaft (B2/B3) - Steigeisen halten nur auf einem steifen Schuh. Preis: 180–350 €. Kaufe sie mindestens 2 Wochen vor dem Kurs und trage sie ein.
- •Warme Kleidung in Lagen - Funktionsunterwäsche, Isolationsjacke, Hardshelljacke/-hose
- •Sonnenbrille Kategorie 4 - am Gletscher ist die UV-Belastung extrem. Budget: 30–80 €
- •Gamaschen - halten Schnee aus dem Schuh. 25–50 €
- •Rucksack 35–45 l mit Hüftgurt für die tägliche Last
Bergschuhe vor dem Kurs einlaufen
Nichts ist schlimmer als Blasen am ersten Kurstag. Lauf neue Bergschuhe auf mindestens 3–4 Touren ein, bevor der Kurs beginnt. Dein Bergführer wird es dir danken.
Ablauf und Dauer: Was erwartet dich im Kurs?
Die meisten Einsteiger-Hochtourenkurse dauern 3–5 Tage - genug Zeit, um alle Grundtechniken zu üben und danach eine echte Hochtour als Abschluss zu begehen. Ein typischer Ablauf bei einem 4-Tages-Kurs:
Typischer 4-Tages-Kursablauf
- Tag 1 - Anreise & Theorie: Ausrüstungscheck, Gletscherkunde, erste Steigeisen-Übungen auf harmlosen Schneefeldern
- Tag 2 - Techniktraining: Steigeisengehen an steilerem Gelände, Pickelübungen, Anseilen in der Seilschaft, Spaltenbergungsübungen
- Tag 3 - Tour am Gletscher: Erste vollständige Gletschertour mit Bergführer, Seilschaftsbegehung, Routenwahl in der Praxis
- Tag 4 - Abschlussgipfel: Geführte Hochtour auf einen Dreitausender, eigenverantwortliche Anwendung aller gelernten Techniken
Beste Saison und Kursauswahl
Die Hauptsaison für Hochtouren ist Mitte Juni bis Mitte September. Davor (Mai/Juni) liegt oft noch viel Schnee – gut für Spaltenbergungsübungen, aber anspruchsvoller für Einsteiger. Im Juli und August sind die Bedingungen am stabilsten: langer Frühstart, fester Firn am Morgen und klares Wetter.
Für Anfänger besonders empfehlenswerte Kursregionen in Österreich und den Alpen:
- Stubaital: Guter Einstieg mit dem Sulzenauferner (ca. 2.800 m), viele Hütten, kurze Zustiege – ideal für 3-Tages-Kurse.
- Ötztal / Weißkamm: Hochgelegene Gletscher bis über 3.700 m, breites Tourenprogramm von PD bis AD; Wildspitze als beliebtes Kursziel.
- Silvretta: Mehrere zusammenhängende Gletscher, Piz Buin (3.312 m) als klassisches Einsteigerziel, wenig Steilgelände – sehr anfängerfreundlich.
Worauf du bei der Kursauswahl achten solltest
- •Bergführer-Qualifikation: Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer (IVBV/UIAGM-zertifiziert) - Pflicht
- •Gruppengröße: Maximal 4–5 Teilnehmer pro Bergführer für echtes Lernen
- •Inhalt der Kursgebühr: Leihausrüstung, Hüttenübernachtungen und Halbpension sind oft inklusive - vergleiche genau
- •Kursregion: Anfängerfreundliche Regionen sind das Stubaital, Ötztaler Alpen, Berchtesgadener Alpen und die Silvretta
- •Stornobedingungen: Wetterabhängige Touren - achte auf flexible Umbuchungsmöglichkeiten
Ein guter Gletscherkurs spart dir fünf Jahre Selbststudium. Und er könnte dir eines Tages das Leben retten.
IVBV-Bergführer, Stubaital
Häufige Fragen zum Hochtourenkurs
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