Eisklettern lernen: Voraussetzungen, Ausrüstung, erste Kurse

Eisklettern lernen: Voraussetzungen, Ausrüstung, erste Kurse

Eisklettern lernen: Voraussetzungen, Ausrüstung und wie ein erster Kurs abläuft – dein Einstieg in gefrorene Wasserfälle und steiles Eis.

Veröffentlicht am

31. Mai 2026

Lesezeit

3 Min.

Eisgeräte in eine gefrorene Wand schlagen, Steigeisen knirschen auf blauem Eis, der Atem dampft in der Kälte - Eisklettern gehört zu den intensivsten Winter-Erlebnissen in den Bergen. Gleichzeitig hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man dafür ein erfahrener Alpinist sein muss. Stimmt nicht: Mit dem richtigen Kurs kannst du schon im ersten Winter erste Eisrouten klettern. Hier erfährst du alles, was du brauchst.

Was ist Eisklettern - und warum macht es so viel Spaß?

Eisklettern bedeutet: vertikale oder überhängende Eisflächen (gefrorene Wasserfälle, Eisplatten) mit Eisgeräten und Steigeisen bezwingen. Die Technik ist völlig anders als Felsklettern - du schlägst keine Griffe, du pickst dich mit den Eisgeräten in das Eis. Das Geräusch, wenn der Pick greift, ist unverwechselbar. Wer einmal Eis geklettert ist, will meist mehr.

Eisklettern vs. Mixed-Klettern

Reines Eisklettern findet an gefrorenen Wasserfällen und Eisplatten statt. Mixed-Klettern kombiniert Eis und Fels in einer Route - das ist technisch anspruchsvoller und für Fortgeschrittene. Für Einsteiger steht Eisklettern an 'sauberem' Eis am Anfang.

Voraussetzungen: Was du mitbringen solltest

Eisklettern ist körperlich fordernd, aber technisch erlernbar. Die wichtigsten Voraussetzungen sind allgemeine Fitness, Schwindelfreiheit und die Bereitschaft, in der Kälte konzentriert zu arbeiten. Klettererfahrung aus der Halle ist ein Plus, aber kein Muss - die Bewegungsabläufe unterscheiden sich so stark, dass viele Quereinsteiger schnell Fortschritte machen.

Voraussetzungen im Überblick

  • Grundfitness: Wandern mit Rucksack, 400–600 hm problemlos
  • Schwindelfreiheit (Arbeit in der Vertikalen)
  • Keine Angst vor Kälte - ihr arbeitet bei –5 bis –20 °C
  • Mindestalter: meist 16 Jahre (je nach Anbieter)
  • Klettererfahrung: hilfreich, aber nicht zwingend

Ausrüstung: Was du fürs Eisklettern brauchst

Die Eiskletterausrüstung unterscheidet sich komplett von normalem Klettern. Gut investiert: Im Kurs ist das meiste leihbar - du brauchst für den Anfang keine eigene Ausrüstung zu kaufen.

Ausrüstungsliste Eisklettern

Ausrüstung
Funktion
Kaufpreis (ca.)
Im Kurs leihbar?
Eisgeräte (2 Stk.)Piken in Eisstruktur200–500 € das PaarJa
Steigeisen (12-Zack)Halt auf Eis, vordere Zacken80–200 €Ja
KletterhelmSchutz vor Eistrümmern50–100 €Oft ja
Eisschrauben (4–8 Stk.)Zwischensicherungen ins Eis20–40 € je StückJa
Isolierte KletterhandschuheWärme + Grip30–80 €Nein - eigene kaufen
Harschuhe / BergstiefelSteigeisenkompatibel200–400 €Manchmal

Was du selbst kaufen solltest

Handschuhe sind sehr persönlich - Leihhandschuhe sind selten warm genug. Kauf dir ein gutes Paar isolierte Kletterhandschuhe (Budget: ca. 40–70 €) und du wirst den ganzen Kurs genießen.

Erste Eisklettern-Kurse: So läuft ein Einstiegstag ab

Ein typischer Eisklettern-Einsteigerkurs dauert 1–2 Tage. Am ersten Tag lernst du Grundtechnik: Steigeisen anlegen, die ersten Schläge mit dem Eisgerät, Sicherungstechnik. Danach kletterst du im Toprope kurze Eisrouten (5–10 Meter). Am zweiten Tag kommt der Vorstieg: Du schlägst selbst Eisschrauben und kletterst eine längere Route eigenständig. Ein erfahrener Berg- und Skiführer ist dabei - die Gruppen sind klein (meist maximal 4–6 Personen).

Was kostet das? Ein Tageskurs mit Bergführer liegt typischerweise bei 100–180 € pro Person inklusive Leihausrüstung. Ein zweitägiger Einsteigerkurs kostet 200–350 € – Eisgeräte, Steigeisen und Eisschrauben sind meist inklusive.

Der erste Pickhieb, der wirklich sitzt - dieses Geräusch vergisst du nie. Danach willst du immer mehr.

Bergführer, Berchtesgadener Land

Reviere und Saison: Wann und wo Eisklettern?

Die klassische Eisklettersaison in den deutschen Alpen und dem angrenzenden Tirol und Salzburg läuft von Dezember bis März - je nach Winter und Höhenlage auch kürzer. Günstige Bedingungen herrschen ab ca. –10 °C für mindestens eine Woche. Bekannte Reviere für Einsteiger:

Eisklettern-Gebiete für Einsteiger

  • Berchtesgadener Land: Viele kurze Wasserfälle, gut zugänglich
  • Bayerische Voralpen: z. B. Ramsau, Jachenau
  • Stubaital / Tirol: Breites Angebot, viele Kursanbieter
  • Ötztal / Stubaital (Tirol): Auf 1.400–2.000 m Höhe friert das Eis meist schon ab November zuverlässig. Viele kurze, gut abgesicherte Wasserfälle der WI2–WI4-Schwierigkeit; ideale Bedingungen für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen.
  • Salzburger Land / Pitztal: Klassisches Eisklettergebiet mit längeren, anspruchsvolleren Routen – empfohlen für Fortgeschrittene nach dem Einstiegskurs

Saison beobachten

Gute Eisbedingungen können von Jahr zu Jahr stark variieren. Buche deinen Kurs daher flexibel oder wähle einen Anbieter, der bei schlechten Verhältnissen auf eine Alternative ausweicht.

Sicherheit: Was du wissen musst

Eisklettern ist eine alpine Aktivität mit echten Risiken: Eistrümmer beim Einschlagen der Geräte, brüchige Eisformationen und Kälteerschöpfung. Im Kurs lernst du, diese Risiken einzuschätzen und zu minimieren.

Besonders wichtig: Beim Einschlagen der Eisgeräte in die Wand brechen regelmäßig Eistrümmer ab und fallen nach unten – ein Kletterhelm ist daher keine Empfehlung, sondern Pflicht. Steige nie ohne Helm ans Eis. Außerdem solltest du Abstand zu anderen Kletternden halten und deinen Bergführer bei jeder Entscheidung über die Bedingungen einbeziehen – er kennt die lokalen Verhältnisse und beurteilt, ob das Eis tragfähig ist.

Häufige Fragen zum Eisklettern

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