Groundhandling lernen: warum es deinen Flugstart rettet

Groundhandling lernen: warum es deinen Flugstart rettet

Groundhandling ist die unterschätzte Schlüsselübung im Gleitschirmsport. Was es ist, welche Übungen wirklich helfen und wo du es trainieren kannst.

Veröffentlicht am

31. Mai 2026

Lesezeit

3 Min.

Groundhandling klingt unspektakulär - Schirm auf dem Boden aufziehen, Balance halten, wieder landen lassen. Aber es ist die Übung, die mehr Starts rettet als jede andere Technik. Wer seinen Schirm am Boden kennt, kennt ihn in der Luft. Und wer ihn in der Luft kennt, fliegt sicherer, entspannter und besser.

Was ist Groundhandling - und warum ist es so wichtig?

Groundhandling (deutsch: Bodenhandling) bezeichnet alle Techniken zur Kontrolle des Gleitschirms am Boden. Du übst, den Schirm bei unterschiedlichem Wind aufzuziehen, über dem Kopf zu balancieren und gezielt einzulenken - ohne dass du selbst abhebst.

Warum ist das so wertvoll? Nach Auswertungen des DHV (Sicherheitsberichte, fortlaufend veröffentlicht) ereignen sich 70–80 % aller Gleitschirmunfälle in der Startphase – verursacht durch fehlerhaftes Aufziehen oder schlechte Startsteuerung. Wer 10 Stunden Groundhandling geübt hat, hat diese Phase unter Kontrolle - egal wie der Wind dreht.

Groundhandling ist Training für alle Level

Nicht nur Anfänger profitieren. Erfahrene Piloten, die nach einer Winterpause wieder fliegen oder einen neuen Schirm eingewöhnen wollen, nutzen Groundhandling-Sessions zum Wiedereinstieg.

Die wichtigsten Groundhandling-Übungen erklärt

1. Aufziehen vorwärts (Vorwärtsstart)

Du stehst mit dem Rücken zur Kappe, hältst die A-Gurte in den Händen und ziehst den Schirm mit einem gleichmäßigen Laufschritt nach vorne auf. Die Kappe füllt sich mit Luft und steigt über den Kopf. Ziel: Der Schirm steht ruhig über dir, du läufst nicht mehr - nur das Bremsgefühl hält ihn.

Was dabei oft schiefgeht: ungleichmäßiges Ziehen (Schirm dreht sich), zu langsames Aufziehen (Kappe sackt wieder) oder zu aggressives Bremsen beim Einlenken. Genau das wird durch Groundhandling korrigiert.

2. Aufziehen rückwärts (Rückwärtsstart)

Du stehst der Kappe zugewandt und ziehst den Schirm mit den gekreuzten Bremsen nach oben. Diese Technik ist bei stärkerem Wind notwendig (ab ca. 10–15 km/h Gegenwind), da du die Kappe besser kontrollieren kannst. Für viele Anfänger ist der Rückwärtsstart schwieriger zu koordinieren - der Lernaufwand lohnt sich aber, denn er macht dich deutlich sicherer.

3. Kappensteuerung über dem Kopf

Sobald der Schirm über dem Kopf steht, übst du, ihn mit kleinen Bremsbewegungen zu stabilisieren. Er tendiert nach links? Kurz rechts bremsen. Er überschießt? Beide Bremsen leicht anziehen. Dieses Feingefühl überträgt sich direkt auf die Steuerung in der Luft.

4. Seitenwind- und Böen-Training

Fortgeschrittenes Groundhandling trainiert Aufzüge und Balancing bei turbulenten oder seitlichem Wind. Hier lernst du, wie dein Schirm auf Böen reagiert und wie du ihn abfängst, bevor er dich mitnimmt. Dieses Training ist Gold wert für echte Bergwetterlagen.

Wo und wie kannst du Groundhandling üben?

Die besten Orte und Formate für Groundhandling

  • Flugschule / Grundkurs: Die ersten Groundhandling-Stunden sind Teil jeder seriösen Ausbildung. Hier lernst du die Basics unter Aufsicht.
  • Dedizierte Groundhandling-Kurse: Manche Schulen bieten 1–2 Tages-Workshops für Fortgeschrittene an, oft in der Nebensaison (Oktober–März). Preis: ca. 150–300 €.
  • Windige Wiesen in Wohnortnähe: Mit eigenem Schirm kannst du überall trainieren, wo genug freier Wind vorhanden ist. Ideal: 8–20 km/h gleichmäßiger Wind, flaches Gelände ohne Hindernisse.
  • Flugplatz-Trainingsgelände: Viele Flugschulen stellen ihren Hang auch außerhalb der Kurszeiten zur Verfügung.
  • Indoor-Windtunnel: Selten, aber möglich – Anlagen wie der Windtunnel in Bottrop (NRW) oder vergleichbare Einrichtungen in der Schweiz bieten kontrollierte Übungsbedingungen, ideal wenn kein Wind draußen ist oder du gezielt einzelne Aufzugstechniken isolieren willst.

Wie viel Groundhandling ist genug?

Fluglehrer empfehlen mindestens 10–20 Stunden Groundhandling vor dem ersten Hangflug. Danach: regelmäßig wiederholen, besonders nach Winterpausen oder beim Eingewöhnen eines neuen Schirms.

Welches Equipment brauchst du für Groundhandling-Training?

Für das Groundhandling-Training brauchst du weniger als für den echten Flug - aber auf Qualität kommt es an:

Groundhandling-Equipment

  • Gleitschirm: Am besten dein eigener Schulungsschirm oder ein EN-A-Schirm. Für Groundhandling-only taugliche ältere Kappe (kein Flugzeug, aber Bodenhandling).
  • Gurtzeug: Ein einfaches Bodenhandling-Gurtzeug (kein Reservefach nötig) reicht für Trainings ohne Abheben. Spart Geld bei reinen Übungseinheiten.
  • Handschuhe: Schutz vor Seilabrieb an den Bremsen und A-Gurten. Dünn und griffig, nicht zu dick.
  • Helm: Auch am Boden kann es Stürze geben. Pflicht bei allen Trainingseinheiten.
  • Windsack oder Bändchen: Zur Windbeurteilung. Profis benutzen ein einfaches Wollbändchen am Gurtzeug oder einen kleinen Windsack.

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